Zwei: Heimweh, Linksverkehr und Grufties, die in Kirchen wohnen.

Gestern 11 Grad, heute 11 Grad. Im neuseeländischen Sommer auf der Südinsel ist die Antarktis halt um die Ecke. Es stürmt. Und regnet. Auf meinen Kopf und in mich hinein und durch mich hindurch.

Vermissung

Als eine Person, die immer Heimweh hat, komme ich schon nach 2 Wochen an meine Grenzen. Ich hatte schon als Kind immer Heimweh: Auf Klassenfahrt. Bei der Patentante. Beim Übernachten bei Freundinnen. Immer. Ich ließ mir das Wort /homesick/ sogar vor ein paar Jahren tätowieren. Jetzt sitze ich am anderen Ende der Welt und phantasiere mir zusammen, dass ich den Akzent meines Kindes in ein paar Jahren nicht verstehen werde. Oder nie wieder hier weg kann, weil das Kind stark verwurzelt sein wird, in einer Heimat, die nicht meine ist, in die ich es aber gebracht habe. 

Ich vermisse Maik. Ich vermisse Lea. Ich vermisse Maren.

Ich vermisse unsere tägliche Familien-Routine. Unsere Badewanne. Unsere abendliche Beleuchtung im Wohnzimmer. Die Wege, die ich kenne. Ich phantasiere Theatervorstellungen, die ich nicht mehr sehen kann (ich war ewig nicht im Theater), all die Möglichkeiten, die man hat, in einer großen Stadt wie Berlin. Ich vergesse den Stress, den Dreck, die Junkies, das Hochtragen des Kindes in den vierten Stock, die Ausgelaugtheit, die ich ständig spürte.

Immerhin haben wir heute ein Auto gekauft und kommen jetzt von A nach B. Vom Garten zum Strand. Vom Haus zum Supermarkt. Ein kleines, schrottiges, goldenes japanisches Auto für umgerechnet 2500 Euro. Wir konnten direkt losfahren, Versicherung macht man dann einfach später online. Heute schon Linksverkehr geübt, im Supermarkt sowie auf der Straße. Und dann nochmal auf dem Weg zum Zahnarzt. Dort gabs zwei Rolltreppen, nach oben ging es auf der linken Seite, nach unten kam die Treppe auf der rechten Seite. Mein Leben ist spiegelverkehrt.

Die neue Zahnärztin, die ich leider brauche, weil eine prophylaktische Maßnahme meines Berliner Zahnarztes - damit ich in Neuseeland erstmal nicht zum Zahnarzt muss - anscheinend schiefging, spricht einen breitgekauten Akzent, den ich kaum verstehe. Sie sieht aus wie eine Person, die ich mal kannte und mochte und das tröstet mich. Seit Landung habe ich Zahnschmerzen - erleichtert das Ankommen in einem fremden Land nicht wirklich.

Kirchen Grufties

Morgen sehen wir uns wieder zwei Häuser an. Wir haben schon ein "Meth-Haus“ (hat Tom so genannt) und eine Kirche besichtigt. Das Meth Haus war schrecklich und die Kirche war abgefahren. Mit Flügel im Kirchensaal und freistehender Badewanne mit goldenen Füßen und einem riesigen verwildertem Garten. Bewohnt wurde sie von einem Gothik Menschen, dessen Zimmer einen begehbaren Kleiderschrank hatte und einem volltätowierten Typen, auf dessen Rechner während der Besichtigung Grindchor lief. Für uns als Familie mit 2 jährigem Kind kam die Kirche dann leider doch nicht in Frage. Irgendwie hat es mich auch gegruselt, dass noch ein Weihwasserbecken im Vorraum rumstand.

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Drei: Die Laune steigt, ordentlich Wildlife und ein Haus.

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Eins: Von Neukölln nach Neuseeland.