Drei: Die Laune steigt, ordentlich Wildlife und ein Haus.
Frage: Wie gut kann man als Copywriter*in von überall auf der Welt arbeiten?
Merkwürdige Copywriter-Ausbildungsseminare ploppen ständig in meinem Instagram-Feed auf und wollen mir genau das versprechen/verkaufen. Das geht so:
Menschen laufen an Stränden entlang und brüllen schlechte Versprechen in ihre Handy-Kamera. „10 000 K als COPYWRITER im Monat – das kannst du auch!“ Scheint ein realistisches Monatseinkommen zu sein, verdient in einer Hängematte auf Honolulu oder Bali. Null Problemo. Ist egal, ob man schreiben kann. Es war anscheinend nie so einfach, Geld zu verdienen. Lucky me.
Wir plus Hund Ava.
Aufträge habe ich trotzdem kaum. Und es stimmt, was alle sagen: Nach Babypause zurück in den Job, ist schwerer als gedacht. Man (Ich) kann und will einfach keine zehn Stunden am Tag mehr arbeiten. Wie soll das gehen? Man kann sich nicht auf einen Job committen und alles stehen und liegen lassen, nur weil irgend jemand schreit. Außer das Kind. Wenn das Kind schreit, macht man genau das: Man lässt alles stehen und liegen.
Gut. Habe ich also noch etwas Zeit, mich der neuseeländischen Natur hinzugeben. Hier sitze ich umgeben vom „Native Bush“ in unmittelbarer Nähe zu ungefähr 30 Stränden mit ordentlich Wildlife.
Pinguine!
Gestern gesehen, wie ein Seelöwen-Bulle einen anderen Seelöwen-Bullen verkloppt hat. Danach hat er ihn ins Wasser gejagt (Sind die schnell!) und da gabs nochmal ne Packung. Der Wellenreiter, mitten drin im Seelöwen-Tumult, kam zum Glück ohne Zwischenfälle an Land.
Was mir sonst so auffällt in dieser Stadt (Dunedin): Es gibt keine Hipster. Zumindest keine Hipster im Berliner Sinne. Es gibt Gothik und Grunge. Aber irgendwie gibt es nicht diese gutangezogenen Menschen, mit Mänteln und schlurfendem Gang. Die, die teuer aussehen und teuer einkaufen, bei Acne zum Beispiel.
Für mich sehen deshalb alle Neuseeländer irgendwie ein bisschen verwahrlost aus. Mein Blick ist anscheined Berlin-Hipster-versaut: Wenn es keine Durchmischung mit teuerer Mode gibt, gibt es für mich irgendwie nur White Trash. Ich glaube, den Neuseeländer*innen ist auch einfach vieles egal, vor allem ihr Look. Als ich letzte Woche im Auto vor dem Fish and Chips Shop wartete, parkte ein kleines Auto genau vor mir und eine Frau in pinkem Bademantel und auf Socken rannte in den Laden, um kurz danach mit einem großem Paket Take Aways wieder ins Auto zu hüpfen. Sensationell.
Was mir auch auffällt: Stromkabel- und Masten. Überall. Tiefhängende Kabel baumeln über allen Straßen, darauf sitzend dicke neuseeländische Tauben, die man hier mag und die nicht Tauben heißen, sonderen Kereru. Vögel werden verehrt, es piept und piepst und tschilbt in einer Tour aus dem Native Bush heraus. Und in mich hinein.
Kereru. Art by Judi Lapsley Miller hello@artbyjlm.com
Die Laune steigt also ab Woche 3: Endlich war es mal zwei Tage heiß – inklusive Schwimmen im eiskalten Meer. Außerdem haben wir wahrscheinlich das schönste Haus der Südinsel gefunden. Mit Meerblick, Kamin und Garten. Fotos folgen.