Eins: Von Neukölln nach Neuseeland.
Himmel über Dunedin, NZ
Letze Nacht habe ich geträumt, dass ich wieder jung bin und noch zur Schule gehe. Plötzlich merke ich, dass ich meinen Erdkunde Kurs verpasst habe - ein Jahr lang.
In einer Woche gehts los. Ich habe ein Wimmelbuch über Flugzeuge fürs Kind gekauft, Birgit schickt mir ein Rezept für Lorazepam und die easy Apotheke in den Neukölln Arkaden hat nur 50iger Packungen. Ich verspreche Birgit keine Benzo Abhängigkeit zu entwickeln.
Wenn man ein Problem mit Kontrolle hat, ist fliegen schwer. Auswandern auch. Mir gleitet alles aus den Fingern. Tom federt die schlechte Stimmung ab. Wie immer.
Nächste Woche Donnerstag landen wir in Australien. Nächste Woche Freitag in Queenstown, Neuseeland. Danach gehts nochmal knapp vier Stunden nach Dunedin, Toms Heimatstadt.
Ich habe einen neuseeländischen Mann und ein halbneuseeländisches Kind. Das halbneuseeländische Kind hat wiederum neuseeländische Großeltern. Und mit denen werden wir jetzt Zeit verbringen. Wir werden Strandspaziergänge machen und Hügel rauf und runter laufen. Wir werden Seehunde und Seelöwen sehen. Und Albatrosse. Und Pinguine. Wir werden durch Regenwälder laufen und ein keines Häuschen mit Garten mieten.
Was stinkt mehr als ein nasser Hund? Ein nasser Seehund.
Bisschen anders als gedacht.
Wir sind letzte Woche Donnerstag nicht in Australien gelandet. Wir haben mein Transit Visum vergessen und wurden nicht eingecheckt. Tom hat angefangen zu zittern wie ein Mensch mit starken Entzugserscheinungen und erst da habe ich gemerkt, wie gerne er nach Hause will.
Nach 5 Uhr morgens aufstehen, 9 Stunden im Check-in Bereich des Flughafen Berlin Brandenburg und zwei Umbuchungen via Telefon steigen wir endlich am Nachmittag in den Flieger nach Doha und ab da in den Flieger direkt nach Auckland. Ohne Stopp in Australien. Dafür mit 16,5 Stunden Flugzeit (mein persönlicher Alptraum) direkt bis nach Neuseeland. Wegen Schneechaos (Berlin) und kaputtem Licht (Doha) fliegen wir jeweils nach boarding etwa 2 Stunden später los, das heißt wir verbringen von Mittwochnachmittag 15:00 Uhr bis Donnerstagabend 21 Uhr fast 30 Stunden in Flugzeugen.
Die Lorazepam lasse ich trotz Nervenzusammenbrüchen und maximalen Turbulenzen im Rucksack. Das Kind performt sehr gut. Und irgendwie kommen wir dann tatsächlich an. Ab Auckland nochmal in den Flieger nach Dunedin. Und dann: Da.
Leider ohne Koffer. Die hängen irgendwo in Doha. Aber gut. Maren sagt, auf Reisen lässt man seine Neurosen zu Hause. Meine Neurosen sind in meinem Koffer. Das Lorazepam immerhin im Handgepäck. Ist das noch eine Reise oder schon eine Auswanderung?
Fest steht: Wir brauchen ein Haus.