Fünf: Stadtstrand-Seelöwen, Delphine und Dänemark.

Immer noch kalt. Dabei ist umgerechnet Juli. Nicht geil. Ozean: 13 Grad. Nach wie vor kommen ständig (wirklich ständig) fette Seelöwen aus den Wellen gerobbt und spazieren auf ihren Flossen am Strand herum. Vorgestern am Stadtstrand (der nicht wirklich das ist, was man sich unter einem Stadtstrand so vorstellt), kam ein dickes Ding aus dem Wasser und schob sich zwischen den Handtüchern der Rumliegenden durch. Zur Abwechslung wars mal sonnig und der Stadtstrand relativ gut besucht, inklusive Lifeguards (nur zwischen den Fahnen „schwimmen“!).

Manche Menschen bemerkten den Löwen erst sehr spät und sprangen erschrocken von ihren Handtüchern, andere wiederum nahmen kaum Notiz davon. Für mich immer noch: einfach krass.

Dicker Seelöwe in St. Clair

Heute ist nicht Stadtstrand-Wetter, sondern wieder kalt, doch trotz kalter Finger tippe ich in einer Tour, wann immer das noch-nicht-in-der-Kita Kind es zulässt. Jenny sagt, ich brauche einen Link Tree. Tom sagt das auch. Ich denke, ich brauche auch einen Newsletter. Das sagen die Creators.

Ich habe in den letzten zwei Wochen einen Pinguin, ohne Ende Seelöwen und ein paar sehr entfernte Delphine gesehen. Dann habe ich geträumt, dass ich Tom gefragt habe, ob wir nicht lieber nach Mallorca ziehen wollen. Wegen Wetter. Mir fehlt ein bisschen das mediterrane. Muss ich zugeben. Dass Delphine in so kaltem Wasser schwimmen, ist mir nicht neu, überrascht mich dennoch immer wieder. Man denkt doch bei Delphinen irgendwie an warmes Wasser, warmen Sand, tropische Kulisse.

Neuseeland ist nicht tropisch. Ich glaube, viele Deutsche denken das. Oder nur ich dachte das. Besonders weit weg ist gleich besonders tropisch. Neuseeland ist aber auch irgendwie ein bisschen wie Hamburg und Dänemark und Schottland. Eher Nordsee als Südsee. Mit Delphinen. Auf der Nordinsel sieht das natürlich schon wieder ganz anders aus. Ist ja auch irgendwie bisschen naiv zu glauben, hier wäre nur eine Klimazone. Von Auckland bis hier runter zu uns sind es ca. 1500 Kilometer. Das ist halt so ungefähr Berlin bis nach Rom. Oder Kopenhagen bis Mailand. Wir sind Kopenhagen. Hätte man mir das vor ein paar Jahren gesagt, hätte ich laut gelacht: Ich hasse Dänemark.

Happy Justins

Trotz des Wetters sind immer alle happy. Trotzig trägt man Shorts und Flips Flops. Ständig sehe ich Gänsehaut und gute Laune. Wenn Tom irgendwo anruft, um zum Beispiel einen Sofa Transport zu organisieren, geht das so: „Hi, Justin, it‘s Tom, how are you?!“ Ich denke dann, wer ist dieser Justin? Oder Linda, Liz, Emily, Steve, Bill usw. Tom kennt jetzt alle per Vornamen. Und es wird sich immer nach Befinden erkundigt. Macht man hier so, man spricht sich mit Vornamen an und fragt, wies geht.

Ich will endlich in unser Haus. Besagtes Sofa haben wir im Sale gekauft. Es ist zu groß für unser angemietetes Haus, aber ich wollte es trotzdem unbedingt haben. Wir haben gestritten, ich habe vor dem Möbelhaus ein bisschen ins goldene Schrott-Auto geweint und dann haben wir es gekauft. Fast alle Sofas, die ich fand und mochte, hatten eine Lieferzeit von mindestens 3 Monaten – willkommen auf der Insel. Es gibt kein Ikea und kein H&M. Und DM natürlich sowieso nicht.

Neues Sofa. Farbe Forrest.

Als wir losreisten, hatte ich die Idee, alle Koffer voll zu machen mit unendlich vielen Sachen, die ich unbedingt brauche und auf die ich auf gar keinen Fall verzichten kann. Creme. Shampoo. Haarkur. Jetzt merke ich wieder, wie deutsch das ist. Und wie angsthäslich. Und wie wenig ein Einlassen auf die Fremde. Shampoo gibt’s hier nämlich auch. Seit neuestem benutze ich wieder Fructis. Habe ich gehasst in Deutschland. Habe ich gehasst in meiner silikonfreien Berliner Bubble. Jetzt find ichs geil. Banane, Papaya, Macadamia, ich schwelge im haarigen Fructis Himmel und liebe es. Ich kann gar nicht genug davon bekommen. Hair-Food. Meine Haare futtern Fructis. Und ich finds mega. Übrigens natürlich trotzdem ohne Silikone. Weil, Silikone sind aus der Hölle und vergiften die Inwelt und Umwelt.

Trash-Literatur und 1080

Apropos Umwelt: Mein neuer Schnulzi-Roman von Sarah Lark, die mit großer Vorliebe Schnulzi-Romane based in Neuseeland schreibt (Unter fremden Himmeln, Im Land der weißen Wolke, Das Gold der Maori…) liefert neben Stereotypen und peinlichen Geschichten, Hard Facts übers Land. (Von Sarah Lark habe ich 2020 ein deutsches Buch in einer Freebox in neuseeländischen Suburbs gefunden, seitdem muss ich das lesen, wenn ich hier bin).

Letztes Mal habe ich viel über Kauri Bäume gelernt, diesmal lerne ich 1080 kennen: ein Gift, das im Einsatz ist, um Possums, Kaninchen und Ratten zu töten. Ich verstehe einerseits, dass Neuseeland fragile Ökosysteme hat, die dringend erhalten werden müssen, und die ganzen Vögel, die nicht fliegen können, weil sie nie mussten (Hallo Kiwi), geschützt werden müssen - andererseits habe ich noch nie einen Hasen gesehen, der einen Vogel gefressen hat. Und die Possums können auch nichts dafür, dass sie hier eingeschleppt wurden. Die armen Mäuse. Ein ganzes Land macht Jagd auf flauschige Gefährten.

Wenn ich das richtig verstehe, ist der Einsatz von 1080 umstritten: „1080 kills everything“. Die Regierung sieht das anders. Note to myself: Mich bilden auf diesem Gebiet. Mein Halbwissen hier ist also mit Vorsicht zu genießen. Ansonsten einfach mal Sarah Lark lesen.

Zurück
Zurück

Sechs: Ein Tier Spezial und Mandarinen mit weichem R.

Weiter
Weiter

Vier: Strände, Spinnen und Bungalows