Acht: Igelparty am Kompost und ein Toter im Vorgarten

Wir haben jetzt einen Kompost. Das heißt, wir hatten einen Kompost. Wir haben jetzt einen geplünderten Kompost. Erst haben wir ein Possum verdächtigt. Dann haben wir am Abend 2 sich streitende Igel überrascht, die sich am Kompost bedient haben. Bisschen niedlich.

Geplündert.

Das Kind geht seit dieser Woche wieder in den Kindergarten (es gab eine Kindergartenpause, weil Kindergartenwechsel) und zum Schlafen gibt’s jetzt Drogen: Sleeping Drops. In Neuseeland nehmen alle Menschen viel und gerne Medikamente. Bevor man z.B. eine Psychotherapie beginnt, schmeißt man sich erstmal jahrelang Anti-Depressiva ein. Und noch ein paar Schmerzmedikamente. Gerne dieses Zeug gegen Husten. Diesen Atemdämpfer. Wie heißt das nochmal. Ach ja. Codein. Und noch etwas Valium. Why not.

Mein Kind bekommt kein Valium, aber Sleeping Drops. Weil ich zwei Nächte hintereinander stundenlang wachgehalten wurde. Und nach fast 3 Jahren – ich sag‘s wie es ist – i don’t wan’t it anymore. Es reicht. Ich bin zu müde. Ich möchte schlafen. Gerne stelle ich mich als Schlafunterfläche zur Verfügung. („Mama, schmusen!“) Aber ohne Gezappel. Und ohne stundenlanges Wachliegen. Und ohne nächtliche Diskussionen, ob jetzt eine gute Zeit ist, Peppa Pig zu gucken. Und ohne Treten. Und ohne „Butterwaffel!“. Und ohne „Milch!“.

Butterwaffel musste ich neulich nachts um vier Uhr machen, als es arschkalt war. Nachts ging es draußen runter auf 5 Grad. Im Schlafzimmer drinnen ging es runter auf 13 Grad. In der Küche auf geschätzte 10. Die Butter war steinhart. Butterwaffel machen eine Herausforderung. Ich habe gelernt, wie man den Kamin anschmeißt und bekam einen Vorgeschmack auf den Winter. Angst. Die Häuser in Neuseeland sind fast alle schlecht isoliert und es gibt keine Zentralheizung. Double-glazed Windows findet mach beachtlich. Wenn man Glück hat, gibt’s noch Kamin, und im Wohnzimmer hängt meistens eine Heat pump. Ein überdimensionaler Fön, der heiße Luft in den Raum pustet. Zimmer in null-komma-nichts heiß. Atmen schwierig. Macht man den Föhn wieder aus, ist es nach zwei Minuten wieder kalt.

Küstenklima. Manchmal ist es sogar warm.

Zwei Tage später klettert das Thermometer auf fast 30 Grad und nachts ist es schweineheiß im Haus. Ich traue mich nicht, die Double-Glazed Windows im Schlafzimmer beim Schlafen aufzulassen, weil jetzt Ground Floor und nicht mehr 4. Stock. Besagte Fenster kann man einfach nach außen und oben aufziehen. Bisschen Kippen geht nicht. Das gesamte Fenster wird quasi gekippt, nach oben und außen und so weit, dass man durchsteigen kann. Eine Einladung an zwielichtige Gestalten, wenn man mich fragt. Wir schlafen also im stickigen Zimmer ohne Luft. Alle Neuseeländer*innen hier in Dunedin lachen mich aus, wenn ich sage, dass ich Angst vor Einbrecher*innen habe. Ok.

Eine Stunde später

Ich lese in der Otago Times, dass in Pine Hill (Suburb, wo Toms Eltern wohnen) eine tote Person im Garten aufgefunden wurde. Ermordet. Aha! Unsere Fenster bleiben zu.

Tierchen

Die ganzen coolen Tiere außerhalb des Hauses führen übrigens auch zu vermehrtem Betrieb innerhalb des Hauses. Man nennt das wohl Natur. Täglich trage ich Spinnen aus dem Haus, lasse Bienen in die Freiheit, rette Hummeln und gestern auch noch eine dicke grüne Raupe. Ich muss mich dran gewöhnen. Ich gebs zu. Ich bin da etwas unentspannt und staubsauge oft und viel. Dafür blicke ich vom Küchentisch jetzt gerade in den sich wiegenden Lorbeerbaum vorm Fenster. Und der beheimatet nun mal Spinnen und Raupen. Vor allem wenn’s regnet, finden sich mehr Spinnen im Haus. Menschen auf dem Land kennen das Phänomen wahrscheinlich.

Die wohnt da.

In Berlin hatte ich keine Spinnen im Haus, dafür Mäuse in der Bude. Und Ratten im Hof. Maik erzählt mir, dass bei ihnen in Mitte aktuell elefantengroße Ratten im Hof herumlaufen. Bisschen ungeil.

Das durchwachsene Küstenklima hier in Dunedin führt immerhin dazu, dass es keine Kakerlaken gibt. Und das ist ja schonmal gut!

Außerdem muss ich nochmal Wettertalk machen, weil meine Wetterbeschwerden natürlich dazu führen, dass jetzt alle denken, hier ist es einfach nur saukalt. Frauki, das ist natürlich nicht so. Im Sommer ist es im Inland, in Central Otago eigentlich die ganze Zeit heiß und es gibt Kirschen und Aprikosen und alles Mögliche auf riesigen Obstplantagen. Und es gibt Avocados. Unsere Avocados sind jetzt aus Neuseeland, was das Avocado essen noch schöner macht. In Central Otago ist man nach kurzer Autofahrt durch pittoreske Landschaften, wenn man sich von der Küste wegbewegt und zum Beispiel Richtung Queenstown fährt. Und Queenstown wiederum wird im Winter ein schneeiges Wunderland, worauf ich mich auch schon wieder freue. Ungefähr 3 Stunden Fahrt von hier. Ich habe mir sowieso vorgenommen, nach der ganzen Heimweherei proaktiv mehr Vergnügen zu gestalten. Wenn ich schonmal hier bin. Es gibt viele Möglichkeiten zu reiten. Sollte ich dringend machen. Mit Delphinen schwimmen. Sollte ich machen. Orcas und andere Wale gucken. Sollte ich machen. Nach Queenstown im Winter. Werde ich auch machen. Weniger beschweren. Machen. Mehr dankbar sein. Machen. Weniger deutsch sein. Einfach machen.

 

Zurück
Zurück

Neun: Kleines Spinnen-Spezial

Weiter
Weiter

Sieben: Thank you, driver und Heimweh-Herz