Zwölf: Sommer, Winter, Heizung, Heimat.
Mir. Ist. Kalt.
Der Kamin läuft auch Hochtouren und ich brauche einen weiteren Radiator fürs Schlafzimmer. Eigentlich finde ich mit Heizung schlafen kacke. Aber es geht nicht anders. Das Laken außerhalb der Deckenzone im Bett ist nachts so kalt, dass es mich am ganzen Körper fröstelt, wenn sich ein Fuß verirrt. Sind es draußen ca. 5 Grad, sind es drinnen ca. 10. Ich habe ein Körnerkissen von Liz, aber wahrscheinlich brauche ich eine Heizdecke. Haben hier alle. Bloß Heizungen haben sie hier nicht. Und machen sich lustig über die deutsche Zentralheizung, die mit russischem Öl betrieben wir. Fair.
Hier wird mit Strom (und/oder Feuer) geheizt und zumindest Neuseelands Strom kommt fast ausschließlich aus erneuerbaren Energien.
Was mir im herbstlichen Dunedin auffällt: Üppige grüne Wiesen, die Sonne scheint fast jeden Tag, der Klee wächst und mittendrin herbstliche Fliegenpilze. Es ist so grün, es ist, als hätte es keinen Sommer gegeben. Alles grünt und sprießt. Auch ohne Rasensprenger. In Dunedin gibt es überall fußballfeldgroße grüne Wiesen. Ordentlich gemäht. Meistens mit Blick über die Stadt. Ein grüner Gürtel zieht sich durch eben diese: Wiesen, Wälder, Wege und Aussichtspunkte. Schön ist das, sehr sogar.
Dennoch bin ich nicht bereit für Fliegenpilze. Es fühlt sich nicht so an, als hätte die Stadt einen Sommer erlebt. Ich vermisse schwitziges Wetter, das Gefühl, wenn man abends verstaubt nach Hause kommt und in die kühle Dusche springt. Dieses (deutsche) Hoch-Sommer Gefühl, das für mich nach Heimat riecht: Heu-Ernte. Rasensprenger. Weinschorle. Ok, Heu-Ernte in Berlin ist jetzt nicht so ein Ding. Rasensprenger gehört auch nicht zu meiner Neuköllner Lebensrealität.
Aber irgendwie bin ich da verwurzelt. Im deutschen Hochsommer.
Aus Iris Hanika: Treffen sich zwei.
Ich lerne mehr über neuseeländische Häuser-Insulation/Dämmung, die gibt es nämlich kaum. Das Kind und ich haben Husten und als ich abends mit Fieber ins Bett gehe, muss ich fast weinen, weil es einfach nur schrecklich ungemütlich ist. Ich kaufe Polyester (…) Flausch-Fleece Bettlaken, die jetzt überall in den Regalen stehen und ein warmes Bett versprechen. Hätte ich in Berlin niemals gekauft. Niemals hätte ich uns auf so ein Nicht-Baumwoll-Laken gebettet. Jetzt: ein klein bisschen mehr Wärme im Bett.
Zurück zur Dämmung: Staatlich geregelt ist die Pflicht gedämmter Böden und Decken bei Vermietung eines Hauses.
Seit 1977 ist die Dämmung von Wänden bei Neubau eines Hauses ebenfalls Pflicht. Allerdings haben weniger als 20 Prozent der Häuser, die vor 1977 gebaut wurden, Dämmung in den Wänden. Unser Haus ist so ungefähr 1950/1960 erbaut. Bedeutet: In beiden Schlafzimmern mit jeweils zwei Außenwänden verpufft jede Radiator-Wärme in weniger als einer Stunde. Da bringen auch die viel beklatschten double-glazing-windows nix. Unser Haus ist, im Gegensatz zu den meisten anderen Häusern nicht aus Holz, sondern ein solides Stein-Haus. Dennoch hören sich die Wände wie Rigips an, wenn man dagegen klopft. Deshalb hatten die Ratten anscheinend auch so viel Platz. Kaum was drin, in der Wand.
Apropos Haus: wir haben es gekündigt. Wir haben Flüge gebucht. One-Way Dunedin-Christchurch-Singapur-Bangkok-Doha-Berlin. Wir landen am 1. Juli auf Berliner Boden und im deutschen Sommer. Ich gebe zu, ich freue mich. Das grüne Sofa wird bei Auntie Liz geparkt und wird dort auf unsere Rückkehr warten.
Ein Leben zwischen zwei Welten. Es bleibt kompliziert. Ich wünschte, Neuseeland wäre einfach mehr um die Ecke.